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03. Mai 2010

Segelflug auf der Alp Scheidegg (Zürcher Oberland)

In der Pionierzeit des Segelfluges wollte man am Bachtel, im Zürcher Oberland, ein grosses schweizerisches Segelflugzentrum schaffen. Ab dem Jahre 1928 wurde vom Ornberg (Hochwacht) aus gestartet. Der Startplatz wurde bald sehr bekannt und erreichte eine grosse Publizität. Bis 1935 wurde intensiv geflogen. Dann wurden die grossartigen Pläne begraben, und 1936 wurde der Segelflug auf der Hochwacht endgültig eingestellt.

Segelflieger und auch Modellbauer erkannten, dass auf der Scheidegg, dem Nachbarberg östlich des Bachtels, sehr gute Segelflugbedingungen anzutreffen waren. Gustav Hessel aus Wald startete erstmals dort im Mai 1936. Ihm zur Seite standen die Gebrüder Müller, Spyr und Moswey Flugzeugbau, Wald. Im Volksblatt vom Bachtel stand (30.6.45): „ Es gelangen ihm beachtliche Leistungen mit Flügen von 1 ½  Std. Dauer, 1850m Höhe und Rückkehr zum Startplatz und auch ein Distanzflug von 48 km.“   

Gemäss anderen Angaben fielen diese Flüge (ev. bis zu 30 Starts) in die Jahre 1935/36. Jedenfalls bewiesen sie die hervorragende Eignung des Geländes. Dann wurde es wieder still um den Bergstartplatz.

 

Die grosse, aber kurze Zeit auf der Scheidegg begann im Jahre 1945.

Am 30. Oktober 1943 wurde im Café Künzler in Wald die Segelfluggruppe Zürcher Oberland gegründet.  Im März 1945 trat die junge Gruppe dann erstmals mit der Ausschreibung eines Segelfluglagers auf der Scheidegg an die Oeffentlichkeit. Ueber die Ostertage, vom 30.3. bis am 2.4. 1945, sollte mit Gummiseil vom Berg gestartet werden. Dem Anlass war ein guter Erfolg beschieden, und so wurde gleich für Pfingsten ein weiteres Segelfluglager organisiert. Auch dieses Lager fand in verschiedenen Zeitungsberichten ein sehr positives Echo.

Der Erfolg beflügelte die initiative Gruppe. Mit gewaltigem Enthusiasmus und ungeheurer Energie wurde nicht nur geplant, sondern auch zur Tat geschritten: Der Bau eines Katapults (Fallgewicht 1200 kg, Höhe 11 m) wurde sogleich in Angriff genommen. Auch ein Hangar sollte bis zum nächsten Segelfluglager, vom 18. bis 26. August  45, bereitstehen. Im Fischenthal, dem regulären Landeplatz ab Alp Scheidegg, plante man einen Flugplatz mit Elektrowinde, womit man per Windenstart wieder hätte auf der Scheidegg landen können. Nicht nur bei den Segelfliegern, auch bei der Bevölkerung und den Behörden herrschte grosser Optimismus.

Hangar und Katapult wurden tatsächlich zur Zeit fertiggestellt. Im Fischenthaler Ried wurden mit einer Motorwinde im Doppelsitzer Passagierflüge angeboten und deren Möglichkeit sehr rege benützt (65 Flüge). Leider war das Wetter durch gewittrige und regenbringende Störungen gekennzeichnet. Dazu wurde der Anlass durch den Todessturz des jungen Segelfliegers Pfeiffer am Hüttkopf überschattet. Trotzdem hatten die Organisatoren wieder recht viel Erfolg. 19 Piloten mit 12 Flugzeugen waren am Start und flogen in 43 Flügen 73 Stunden. Die 12 Berglandungen fanden grosse Beachtung.  

Den fliegerischen Höhepunkt auf dem neuerbauten Bergstartplatz bildeten die Segelfluglager und der Wochenendbetrieb des Jahres 1946. Verschiedene schweizerische Koryphäen flogen von der Scheidegg aus beachtliche Leistungen.

Dann kam der Einbruch. Der Flugbetrieb flaute 1947 rasch ab. Die Bergstarts waren zu aufwändig. Im Fischenthal konnte der Flugplatz nicht realisiert werden.



Der Moswey III  474 von J. Seifritz, Horgen, Eintrag 21.12.45, steht auf der Startschiene. Rechts ist das Katapult sichtbar.




Rechts die Liegenschaft Alp Scheidegg mit Wirtschaft. Beim Flugzeug ist der Motor für den Lastaufzug des Katapults und die Startschiene. Am Waldrand steht der Hangar und links davon, nur wenig sichtbar über dem Flügel, ist der Katapult-Turm.




Von links: Hans Farner, Hermann Spiess, Gusti Hessel, Walter Jucker.

Bruno Bachofen und Fritz Schori, auch zum „harten Kern“ gehörend, fehlen auf dem Bild.




Karpf Baby 459, SG Horgen/Zug, Eintrag 8.2.45, auf der Startschiene. Die kleine „Ebene“ unten diente als Landeplatz!




Der Katapult-Turm mit dem 1200 kg schweren Gewicht. Fallhöhe 11 Meter.




Auf der Startschiene steht die Spalinger  S 18 I  218, Eintrag 10.8.37, ev. geflogen von A.Sutter. Hinter dem Flugzeug ist der Motor, mit welchem das Gewicht im Katapult-Turm hochgezogen wurde.




 

 

 

 

 

Karpf Baby 177, SG  Zürich, Eintrag 6.6.36, startbereit am Gummiseil, ohne Startschiene.

Links davon Spyr III  108, gebaut von M. Godinat, Eintrag 26.8.34, gehörte von 1941 bis 1946 der SG Zürich.








S18 I   218 nach dem Start

 

1948 wurde nicht mehr geflogen, der Bergstartplatz stillgelegt.

 

Die Segelfluggruppe Zürcher Oberland schloss sich mit der Motorfluggruppe Zürcher Oberland zusammen. So entstand die Flugsportgruppe Zürcher Oberland (FGZO). Geflogen wurde in Hittnau und ab 1953 in der Speck, Fehraltorf.

 

Werner Rüegg

 


    


 




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