Im Laufe des Lebens





Hans Peter

                   

Erinnert ihr euch? Sie gehörten irgendwie zusammen, Hans und „sein“ Moswey III HB-374, sodass manche glaubten, er sei tatsächlich dessen Besitzer. Gerne zeigte er das zierliche, gelbe Flugzeug, rühmte dessen Eigenschaften und schwärmte von den Flügen, welche er mit ihm geniessen durfte. Dabei war er doch eher wortkarg, beinahe etwas verschlossen. So konnte er einen gesellschaftlichen Anlass plötzlich verlassen, ohne sich zu verabschieden. Wer Hans besser kennen lernen durfte, dem öffnete er sich, erzählte aus seinem Leben.

Er wurde 1934 in Zürich geboren. Schon in jungen Jahren schwärmte er von der Fliegerei. 1952 absolvierte er auf dem Belpmoos, Bern, einen Segelflugkurs des militärischen Vorunterrichts. Das Schicksal führte ihn jedoch auf andere Wege.

Hans war sehr vielseitig begabt. Er besuchte die Mittelschule, studierte Medizin, wurde Lehrer, war technisch interessiert, auch musikalisch – er spielte Cello!

1957 heiratete er seine Jugendliebe: Heia Detmer. Vier Töchter wurden geboren, und inzwischen war er Instruktor bei der Computerfirma IBM. Familie und Beruf nahmen ihn voll in Anspruch, auch mit Tätigkeiten im Ausland. Beispielsweise wohnte die ganze Familie vorübergehend auch in London!

Dann kam unerwartet seine vorzeitige Pensionierung. Jetzt machte Hans seinen Bubentraum wahr, er lernte Segelfliegen in Schänis! Das war im Jahr 1992. Nebenbei war er Taxifahrer, wie auch schon in früheren Jahren.

Bald fühlte er sich zu den alten Holzfliegern hingezogen: Baby, Moswey, Ka 6. Er trat dem Oldtimer Club Schänis (OCS) bei, war dort für viele Jahre Materialwart, wobei er ab und zu auch Kritik ernten musste, wenn er mit seinen kräftigen Händen etwas zu stark zupackte. Aber Hans setzte sich enorm ein, um den damals lahmenden OCS wieder in Schwung zu bringen. Er wurde denn auch für seine grossen Verdienste zum Ehrenmitglied ernannt.

1997 nahm er in Bar sur Seine (Frankreich) erstmals an einem Vintage Glider Club – Rally teil (VGC). Mit dem Moswey III natürlich! Dann, im nächsten Jahr, war er am Treffen der Oldtimer Segelflug Vereinigung Schweiz (OSV) in Langenthal. Von da an fehlte er kaum mehr an einer Oldtimer- Veranstaltung, sei es international in ganz Europa oder in der Schweiz.

Mit zunehmendem Alter bekam er mehr und mehr Mühe mit dem Gehen, und er wurde vielfach von grosser Müdigkeit befallen. Er musste von der aktiven Fliegerei Abschied nehmen. Dennoch kam er immer noch zu unseren Anlässen und half mit beim Flugbetrieb. Schon immer hatte er gerne Flugzeugtransporte ausgeführt, hatte mit seinem Auto Oldtimer zum Start gezogen und aus der Piste geholt, das tat er jetzt weiterhin. Hans fuhr gerne Auto, manchmal auch etwas zu hastig und schnell. Hat da jemand etwas von Blechschäden gesagt?

Vor zwei Jahren veränderte sich der Alltag für Hans dramatisch, als Lähmungserscheinungen an den Beinen auftraten. Leider konnte die diagnostizierte Krebserkrankung nicht mehr geheilt werden. Am Weihnachtstag 2016 durfte Hans von uns gehen. Er war uns ein liebenswürdiger Freund und Fliegerkamerad.

Werner Rüegg

Bilder : W. Rüegg und OCS „Times“